Auch diesmal, nicht nur, weil daheim gerade „Wall anniversary“, wie es hier heißt, gefeiert wird, sondern auch, weil heute mein erster Arbeitstag in der University of Cambridge anstand. Mit etwas flauem Magen machte ich mich also auf den Weg in das im Jahr 1347 gegründete Pembroke College, meinem Arbeitsplatz für die nächste Woche. Als ich aus dem Haus trat empfing mich erst mal eine Eiseskälte und Nebel, die ganze Stadt war in diesen Nebel gehüllt, wie gemacht für eine düstere Filmkulisse.
Ich war, irgendwie typisch deutsch, viel zu früh da und so musste ich mir noch ein wenig die Beine vertreten. Als ich dann in die die Portiersloge betrat, also das Pförtnerhaus, begrüßte mich ein Pförtner im Anzug (!!!) schon mit einem freundlichen: „Hello young man“. Er wusste gleich, wer ich bin und mit wem ich mich treffen wollte.
Nach einiger Wartezeit traf ich mich dann mit meiner, Deutsch sprechenden, Bezugsperson, dem Director of Studies in Modern & Medieval Languages. Dieser setzte mich vorerst in der Bücherei ab, da er kurzfristig noch ein anderes Treffen hatte. Diese Treffen, wie er mir später sagte, diente dazu, letzte Details bezüglich des Besuchs und der Lesung von Henry Kissinger am Pembroke College vorzubereiten (zu der ich auch eingeladen bin).
Dann gingen wir zusammen in eins seiner 2 Büros, was ich in der nächsten Woche belegen werde, da er im anderen arbeiten wird und er stellte mich seiner Sekretärin vor und zeigte mir etwas vom Gelände.
Anschließend gingen wir zusammen meine erstellten Ergebnisse aus Eastbourne durch. Er war damit mehr als zufrieden und meinte, dass man daraus mindestens 2 Doktorarbeiten schreiben könne. Immer wieder markierte er sich besonders interessante Resultate. Die Ergebnisse möchte er dazu benutzen, um einen großen Antrag auf Forschungsgelder der bei der EU zu stellen. Letztendlich nannte er mir noch einige viele Wünsche für diese paar Tage, die ich erledigen kann. Unter anderem möchte er, dass ich bei einigen Verbänden noch genauer die Geschichte recherchiere, eine weitergehende Analyse des Buches „The Encyclopedia of International Games“ und noch einige generelle Verbesserungen an meinen erstellten Excel Tabellen sowie eine tiefergehende Recherche nach ersten Europäischen Wettbewerben. Na mal gucken, wie weit ich damit komme.
Morgen bin ich zunächst mal zum Abendessen zu ihm und seiner Familie nach Hause eingeladen. Überhaupt, auch hier in Cambridge treffe ich wieder auf eigentlich ausnahmslos nette und hilfsbereite Menschen. Wenn man hier nicht den Weg weiß und jemanden fragt, bekommt man nicht etwa entgegen geblafft: „Wie soll ick’n det wissen, seh‘ ick aus wie ne Infosäule oda wat?“ sondern meistens eine sachkundige, freundliche Beschreibung des Weges. Wenn mal jemand den Weh nicht weiß, heißt es nicht „keene Ahnung“ oder „weeß ick nich“, sondern „ohh, I’m sorry, I don’t know but maybe you could ask…“
Für meine Aufgaben hier habe ich jedenfalls die besten Voraussetzungen, Büro, PC, Telefon und: eine Sekretärin! (Na ja, ist nicht ganz meine aber sie sitzt halt im Nebenraum
Apropos Voraussetzungen, für die Aufnahme in der „University of Cambridge“ sind diese nicht ganz ohne, eine 1 im Abi ist Pflicht, wenn man dann Glück hat und die erste Hürde genommen hat, kommen noch 3 Vorstellungsgespräche à 30 min auf einen zu. Oder man kommt durch ein Praktikum im Rahmen eines Stipendiums hinein…aber das geht ja nur eigentlich nur im Traum, oder?